Berlin hat mir als Künstler vieles ermöglicht: ein günstiges Atelier im Kiez, Werkstätten die funktionieren, Gemeinschaft die trägt. Das wird rarer — und es gibt viele, für die es nie so einfach war. Der bbk berlin sollte für alle da sein, die hier arbeiten. Deshalb kandidiere ich.
Ich bin Meisterschüler, arbeite als freischaffender Künstler in den Bereichen Druckgrafik, Keramik, Buchkunst, Wandmalerei und Installation — selbstorganisiert, ohne institutionelle Förderung. Den Lebensunterhalt verdiene ich als Kunstvermittler in der Kinder- und Jugendarbeit. Daneben betreibe ich eine Druckwerkstatt in Neukölln und eine Keramikwerkstatt in Grünau als offene Community-Projekte — Räume, die allen zugänglich sind und von kollektiver Verantwortung getragen werden.
Im bbk berlin engagiere ich mich in der AG Art Worker Solidarity. Die AG entstand als Reaktion auf Zensur und Silencing bildender Künstler*innen in Berlin und thematisiert Prekarisierung, die Normalisierung rechter Positionen und die Einschränkung künstlerischer Freiheit. Sie ist ein offenes, niedrigschwelliges Format — wer sich einbringen möchte, ist willkommen. Diese Art zu arbeiten, gemeinsam und auf Augenhöhe, prägt auch mein Verständnis von Vorstandsarbeit: mit klarem Wertekompass und der Bereitschaft, auch in schwierigen Situationen gesprächsfähig zu bleiben.
Die Lage ist ernst. Steuergelder fließen in Militär und Rüstung, während Kulturförderung wegbricht. Ein Kulturstaatsminister stellt Jurymitglieder unter Beobachtung, schließt Buchläden aus Förderverfahren aus und greift in die Programmarbeit unabhängiger Fonds ein. Der Rechtsruck verändert, was sagbar, förderbar, zeigbar ist. Fragen von Sexismus, Inklusion und dem Schutz marginalisierter Gruppen stehen unter Druck. Kriege, deren Folgen bis in Berliner Ausstellungsräume reichen.
In diesem Klima sind Organisationen wie der bbk berlin umso wichtiger: als demokratische, inklusive Gegenstruktur, die genau das verkörpert, was gerade angegriffen wird. Der Verband ist im vergangenen Jahr fünfzig geworden — ein halbes Jahrhundert erkämpfte Förderstrukturen, Interessenvertretung, aufgebaute Infrastruktur. Das verdient Schutz und Stärkung.
Gleichzeitig hat der Verband in jüngerer Vergangenheit durch mehrere Rücktritte und den Weggang der Geschäftsführung erhebliche strukturelle Belastungen erfahren. Ich habe auf der Mitgliederversammlung 2025 einen Antrag zur Regelung von Vorstandsnachbesetzungen eingebracht — den reiche ich erneut ein. Mein Ziel: dass der Vorstand bei internen Veränderungen handlungsfähig bleibt. Denn ein Verband, der intern ins Straucheln gerät, kann nach außen keine starke Stimme sein.
Im Vorstand möchte ich Kapazität, Kontinuität und eine Perspektive einbringen, die den bbk berlin so divers aufstellt, dass er die Realität aller in Berlin arbeitenden Künstler*innen abbildet — so vielfältig wie diese Stadt selbst. Gemeinsam Formen zu finden, wie wir uns gegenseitig stärken und dem kulturpolitischen Gegenwind etwas entgegensetzen können: das ist für mich der Kern dieser Kandidatur.
Mehr über meine Arbeit: www.maximilian-thiel.de